KANBrief 3/10

Endlich Normen für Wertstoff- und Abfallpressen

Aufgrund des hohen Unfallgeschehens an Kanalballenpressen haben Arbeitschutzvertreter 2006 angeregt, für diese Maschinen eine Norm zu erarbeiten, die die Sicherheitsanforderungen der Maschinenrichtlinie konkretisiert (siehe auch KANBrief 3/08 (pdf, nicht barrierefrei)). In einem von CEN eingerichteten Projektkomitee werden nun für verschiedene Arten von Pressen drei Normen formuliert. Der Normentwurf zu horizontalen Ballenpressen wird demnächst in die öffentliche Umfrage gehen.

Mit Kanalballenpressen werden Wertstoffe oder Abfall zu Ballen gepresst, um die Lagerung und den weiteren Transport zu vereinfachen. Insbesondere bei der Störungsbeseitigung kommt es immer wieder zu schweren oder gar tödlichen Unfällen. Um die Sicherheit beim Arbeiten an solchen Pressen zu erhöhen, formulierte der berufsgenossenschaftliche Fachausschuss „Förder- und Lagertechnik“ einen Vorschlag für eine Maschinensicherheitsnorm. Hierin flossen auch umfangreiche Erfahrungen weiterer europäischer Arbeitsschutzinstitutionen, insbesondere aus Großbritannien und Frankreich, ein (siehe auch KANBrief 4/06 (pdf, nicht barrierefrei)). Anfang 2009 haben die CEN-Mitglieder den Normungsantrag angenommen. Mit der Erarbeitung der Norm beauftragte CEN das eigens gegründete Projektkomitee CEN/TC 397.

CEN/TC 397

Das Projektkomitee setzt sich aus Vertretern aus 15 Ländern zusammen. Bereits auf der ersten Sitzung machten die Experten deutlich, dass neben den horizontalen Ballenpressen auch weitere Arten von Wertstoffpressen sehr unfallträchtig sind und in produktspezifischen Normen geregelt werden sollten: Ballenpressen, in denen der Pressstempel vertikal läuft, und so genannte Kompaktoren, mit denen das Material in einen angekoppelten Behälter hinein verdichtet wird. Da alle drei Maschinenarten spezifische Gefährdungen aufweisen, wurden drei Projektteams (PT) eingerichtet, um zu den verschiedenen Pressentypen jeweils eine eigene Norm zu erarbeiten.

Vertikale Ballenpressen – PT 1

Projektteam 1 bearbeitet vertikale Ballenpressen, die manuell oder maschinell beschickt werden. Die Ballen können entweder manuell oder automatisch gebunden werden. Die Experten orientieren sich an den Formulierungen des Arbeitsentwurfs für die horizontalen Ballenpressen und arbeiten in diesen die spezifischen Gefährdungen für vertikale Pressen ein. Es ist geplant, dass das Projektteam Anfang 2011 einen Normentwurf (prEN) für die öffentliche Umfrage vorlegt. Nach diesem Zeitplan wäre mit der Veröffentlichung einer Europäischen Norm Anfang 2013 zu rechnen.

Horizontale Ballenpressen – PT 2

Dieser Maschinentyp war die Grundlage für den Normungsantrag. Dementsprechend ist die Arbeit im Projektteam 2 schon weit fortgeschritten. Im Juli 2010 beschloss das CEN/TC 397 die Veröffentlichung des Normentwurfs zur öffentlichen Umfrage, die voraussichtlich bis Mai 2011 laufen wird. Die fertige Norm soll im Herbst 2012 veröffentlicht werden.

Die beteiligten Hersteller, Betreiber und Arbeitsschutzexperten sind sich einig, dass die Norm verglichen mit dem bisherigen Niveau einen deutlichen Zuwachs an Sicherheit für die Anwender bringt. An allen Zugangspunkten zu Gefährdungsbereichen werden trennende Schutzeinrichtungen gefordert. Besonderer Wert wurde darauf gelegt zu verhindern, dass Personen in den Pressraum gelangen. Dies war in der Vergangenheit oft der Auslöser für tödliche Unfälle.

Kompaktoren – PT 3

Projektteam 3 bearbeitet Pressen, die das Material in einen angekoppelten, auswechselbaren Behälter hinein verdichten. Bei Kompaktoren liegt ein besonderes Augenmerk auf der Gefahrenzone am Einfülltrichter. In der Praxis ereignen sich hier immer wieder Unfälle, wenn die Bediener versuchen, Verstopfungen aufzulösen. Wie bei den vertikalen Pressen stehen die Arbeiten für dieses Normungsprojekt erst am Anfang. Mit einem Entwurf für die öffentliche Umfrage wird Anfang 2011 gerechnet, mit der Veröffentlichung der Norm Ende 2012.

Erfahrungen und Mitarbeit gefragt

Alle drei Normentwürfe sind in einem Status, in dem sie noch beeinflusst werden können. Jeder, der sich mit diesen Maschinen auskennt, sollte die Möglichkeit nutzen, sein Wissen und seine Erfahrungen in den Normungsprozess einzubringen und den Normentext zu optimieren. Ansprechpartner hierfür ist das nationale Spiegelgremium des CEN/TC 397, in Deutschland der Arbeitsausschuss „Ballenpressen – Sicherheitsanforderungen“ im Normenausschuss Maschinenbau (NA 060-03-30 AA).

Dr. Michael Thierbach
thierbach@kan.de