KANBrief 2/18

Ein Vorstoß für bessere Zugänge zu Baumaschinen

© FNTP

Beim Aufstieg auf Baumaschinen ereignen sich zahlreiche Arbeitsunfälle – sei es beim Zugang zum Fahrerplatz, beim Betanken mit Kraftstoff oder Flüssigkeiten oder bei Wartungsarbeiten. Um die Unfallursachen besser zu verstehen, hat der französische Verband der Tiefbauwirtschaft in mehreren Unternehmen ergonomische Untersuchungen durchgeführt. Daraus haben sich eine Reihe von Erkenntnissen und Lösungsansätzen ergeben, die sich sowohl an das Bedienpersonal als auch an die Hersteller richten.

Um die Ursachen von Unfällen beim Aufstieg auf Baumaschinen nachvollziehen zu können, wurde eine Ergonomie-Studie mit 56 Fahrern auf 31 Baustellen in 14 französischen Unternehmen durchgeführt. Dabei wurden die tatsächlichen Gegebenheiten auf den Baustellen und die Aufgabenvielfalt der Personen, die die Maschinen führen, deutlich. Die Untersuchung zeigt, dass eine Bedienperson neben ihrer eigentlichen Aufgabe (dem zuverlässigen Führen der Maschine) noch viele andere notwendige Tätigkeiten ausführen muss: Zum Beispiel verlässt sie die Maschine, um aufzutanken, übernimmt einfache Wartungsarbeiten, koordiniert das Personal am Boden, hilft beim Materialtransport etc. Laut der Studie steigt das Bedienpersonal pro Arbeitstag bis zu 50 Mal an der Maschine auf und ab.

Auf jeder Baustelle lassen sich mithilfe von persönlichen, organisatorischen und zeitlichen Einflussgrößen (z.B. Erfahrung, körperliche Voraussetzungen und Anpassungsfähigkeit der Bedienperson, Zeitdruck, technische Störungen, Lieferverzug) die tatsächlich ausgeführten Tätigkeiten der Bedienperson analysieren und die Auswirkungen auf deren Bewegungen nachvollziehen. Bei der Instandhaltung etwa können Wartungsvorgänge bis zu einhundert Bewegungen pro Tag rund um die Maschine erforderlich machen (z.B. Schmieren, Reinigung, Auftanken, Filterwechsel). Durch konstruktive Lösungen müssen die Beschwerlichkeit und die Stolper-, Rutsch- und Sturzgefahr durch ungünstige Haltungen und übermäßigen Kraftaufwand so weit wie möglich reduziert werden.

Die Zugangssysteme müssen daher für den Anwender praktisch, schnell und vor allem intuitiv benutzbar sein. Leider stellt man fest, dass viele Hersteller noch Zugänge vorsehen, die in der Praxis ungeeignet sind: zu hohe unterste Stufe, zur Kabine versetzte Stufen, unzureichende Abstützpunkte, unerreichbare Haltegriffe und Handläufe, zu beengte Standflächen, …

Dabei gibt es für Zugangssysteme zu Erdbaumaschinen seit langem normative Anforderungen. Die internationale Norm ISO 2867 „Erdbaumaschinen – Zugänge“, deren jüngste Fassung 2011 als EN ISO 2867 übernommen wurde, wurde mehrfach überarbeitet. Sie enthält Anforderungen für Zugänge zum Fahrerplatz und zu routinemäßigen Wartungspunkten an Erdbaumaschinen. Die Gestaltung von Stufen, Leitern, Laufstegen und Standflächen, Geländern, Handläufen und Öffnungen ist darin beschrieben.

Die Praxistauglichkeit und Anwendung dieser Norm steht allerdings noch in Frage, vor allem in Bezug auf alle Arten von Radbaggern, bei ­denen die Räder und Reifen nicht mehr als Teil des Aufstiegs zugelassen sind. Zudem wurden die Maße von Laufstegen, Standflächen und ­Leitern, die das Herzstück dieser Norm bilden, seit fast 20 Jahren nicht angepasst.

Zugänge zu Maschinen sind weiterhin ein vorrangiges Anliegen für die gesamte Branche. Organisatorische Verbesserungen auf den Baustellen, eine stärkere Sensibilisierung der Baumaschinenfahrer, aber auch eine bessere Gestaltung der Maschinen und damit verbundene Normanpassungen sind notwendig, um den heutigen und künftigen Herausforderungen gerecht zu werden, die mit der Arbeit auf Baustellen verbunden sind.

Die Endanwender spielen in der Normung eine entscheidende Rolle. Sie sollten den Herstellern helfen, das Zusammenspiel von Mensch, Maschine und den Gegebenheiten auf der Baustelle besser zu verstehen. Die Anforderungen ergeben sich dann von selbst. Eine solche Verbesserung der Gestaltung der Maschinen ist unerlässlich, um einen sicheren Gebrauch und die Leistungsfähigkeit zu gewährleisten – und damit letztlich die Produktivität der Baustelle.

Die Weiterentwicklung der tatsächlichen Aufgaben des Fahrpersonals muss bei der Gefährdungsbeurteilung eine maßgebliche Rolle spielen. Als Ausgangspunkt für die Konstruktion beeinflusst sie entscheidend die Sicherheit der Menschen, etwa beim Zugang zu Maschinen und bei der Sicht vom Fahrerplatz – Bereiche, in denen es noch viel zu tun gibt.

Catherine Jarosz
Nationaler Verband der Tiefbauwirtschaft
(FNTP, Frankreich)
jaroszc@fntp.fr

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