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KANBrief 4/14

Ballenpressen und Verdichter: Drei neue europäische Sicherheitsnormen

Jedes Jahr ereignen sich an Ballenpressen und Verdichtern schwere Unfälle, meist ausgelöst dadurch, dass Bediener in die Presskammer greifen oder fallen. So waren mehrere tödliche Unfälle zu verzeichnen, bei denen Personen von der Pressplatte oder Verdichtungseinheit erdrückt wurden. Drei europäische Normen wurden nun erarbeitet, um die sichere Gestaltung dieser Maschinen auf dem europäischen Markt zu fördern und dadurch die Zahl der Unfälle zu senken.

Vor einigen Jahren machte das britische Arbeitsschutzinstitut HSE die europäischen Arbeitsschutzkreise auf die häufigen und schweren Unfälle an horizontalen Ballenpressen für Abfälle aufmerksam. Ähnliche Bedenken kamen in Deutschland von der BGHW. In Frankreich hatte man vor allem Abfallverdichter im Visier, da sich hier bereits mehrere Unfälle ereignet hatten.

Experten aus Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich trafen sich ab 2007 mehrfach, um einen Vorentwurf für eine europäische Norm zu horizontalen Ballenpressen zu erarbeiten. Dieser wurde dann über DIN an CEN weitergeleitet. Das Netzwerk EUROSHNET wurde genutzt, um Arbeitsschutzkollegen in anderen Ländern um Unterstützung für das Normvorhaben zu bitten. In der CEN-Abfrage sprach sich die Mehrheit dafür aus und das CEN/TC 397 „Projektkomitee – Ballenpressen – Sicherheitsanforderungen“ wurde gegründet.

Normungsarbeit kommt ins Rollen

Die erste europäische Sitzung des CEN/TC 397 fand im September 2009 in Mannheim statt. Zu den 30 Teilnehmern aus acht Ländern (CH, D, DK, E, F, I, S, UK) zählten Arbeitsschutzexperten, Hersteller, Anwender und Behörden. Es wurde beschlossen, drei Normen zu verschiedenen Pressentypen zu erarbeiten. Da gemäß den Regeln zu Projektkomitees bei CEN die drei Normen gleichzeitig erarbeitet werden mussten, wurde die Federführung unter Dänemark (vertikale Ballenpressen), Deutschland (horizontale Ballenpressen) und dem Vereinigten Königreich (Verdichter) aufgeteilt.

Aufgrund der Zeitvorgaben des CEN mussten in relativ kurzer Zeit mehrere europäische Sitzungen stattfinden, die in intensiver Arbeit von nationalen Spiegelgremien vorbereitet wurden. Es zeigte sich, dass sich die Sicherheitsphilosophien für Maschinen zum Verdichten von Abfall oder Recyclingmaterial in den einzelnen Ländern zum Teil erheblich unterschieden, was zu heftigen Diskussionen führte. Dank der Mitarbeit zahlreicher interessierter Kreise in den Spiegelgremien fand jedoch ein intensiver Gedankenaustausch statt, der das Vertrauen ineinander stärkte und schließlich zum Konsens führte.

Ergebnis: drei neue Normen

EN 16252:2012: Horizontal arbeitende Ballenpressen sind große Maschinen, die vor allem in Abfallsortieranlagen eingesetzt und mechanisch über Förderbänder beschickt werden.

EN 16486:2014: Verdichter können stationär, transportabel oder auf Schienen verfahrbar sein. Sie kommen sowohl bei Industrie und Gewerbe als auch an öffentlich zugänglichen Orten wie Märkten zum Einsatz.

EN 16500:2014: Vertikale Ballenpressen sind in der Regel kleinere Maschinen für Handel und Gewerbe. Es gibt unterschiedliche Größen, Arten der Stromversorgung und des Ballenausstoßes.

Es wurde eine Reihe von Gefährdungen ermittelt. Das Hauptaugenmerk bei der Erarbeitung der Normen lag jedoch darauf, den Zugang zur Presskammer bei laufendem Betrieb zu verhindern, vor allem während der Beseitigung von Materialstaus und sonstigen Eingriffen an der Maschine. Das CEN/TC 397 war außerdem darauf bedacht, Überschneidungen mit bestehenden Normen der Abfallwirtschaft zu vermeiden.

Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Bemerkenswert am CEN/TC 397 war die intensive Mitarbeit der interessierten Kreise in den nationalen und europäischen Gremien sowie die Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen: zwischen den beteiligten Arbeitsschutzexperten, Herstellern, Anwendern und weiteren Sicherheitsexperten; mit den CEN-Consultants, die sich bereiterklärten, mehrfach zu den neuen Normen Stellung zu nehmen; und innerhalb des Redaktionskomitees, das bestrebt war, die Normen für die späteren Anwender verständlich zu machen.

Dass Arbeitsschutzeinrichtungen aus mehreren europäischen Ländern gemeinsam die Normungsarbeit für Maschinen anregen, die zu zahlreichen Verletzungen und Todesfällen geführt hatten, ist nicht die Regel, erwies sich jedoch als äußerst effektiv. Eine solche Initiative sollte auch in Zukunft bei Sicherheitsproblemen ins Auge gefasst werden.

Kirsty Storer (HSE)
Kirsty.Storer@hse.gsi.gov.uk 

Jocelyne Jolly (INRS)
jocelyne.jolly@inrs.fr 

Michael Thierbach (KAN)
thierbach@kan.de 

 

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53757 Sankt Augustin

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