KANBrief 1/21

Hand-Arm-Vibrationsbelastung durch Einzelstöße

Person in Arbeitskleidung befestigt mit einem Druckluftnagler ein Brett auf einem Balken©Sven Böttcher - stock.adobe.com

Arbeitsschutz strebt standardisiertes Messverfahren an

Druckluftnagler, Bolzensetzer und Tierbetäubungsgeräte sind Arbeitsmittel, die eines gemeinsam haben: Bei ihrem Einsatz entstehen Einzelstöße, die auch auf den Nutzer wirken und eine Gefährdung darstellen können. Um die Gefährdung einschätzen und reduzieren zu können, wird ein standardisiertes Messverfahren benötigt.

Einzelstöße sind schwer zu messen
Sich wiederholende Einzelstöße (diskrete Stöße) werden als eine Sonderform von Hand-Arm-Schwingungen angesehen. Es gibt keine allgemein anerkannten Kriterien zur Abgrenzung von Einzelstößen und klassischen Hand-Arm-Vibrationen, wie sie z.B. bei Presslufthämmern vorkommen. Die Messung von sich wiederholenden Einzelstößen ist sehr anspruchsvoll und es gibt noch kein anerkanntes Messverfahren zur Bestimmung der Exposition. Über die gesundheitlichen Effekte einer langjährigen Einzelstoß-Exposition ist bisher wenig bekannt. Für klassische Hand-Arm-Vibrationen hingegen sind Durchblutungsstörungen und Gelenkschäden des Hand-Arm-Systems als Berufskrankheit anerkannt.

Das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Einzelstöße und ist in der Normung aktiv. Da es auf europäischer Ebene keine einheitliche Meinung bezüglich Messverfahren für Einzelstöße gab, hat das IFA die KAN um Unterstützung gebeten, um zunächst die Möglichkeit einer Norm auf nationaler Ebene auszuloten.

Die KAN-Geschäftsstelle hat am 20. Oktober 2020 das virtuelle KAN-Fachgespräch „Hand-Arm-Vibrationsbelastung durch Einzelstöße“ durchgeführt. Es nahmen Vibrationsexperten verschiedener deutscher interessierter Kreise teil: Forschung, Unfallversicherungsträger, Arbeitnehmer, Hersteller, Prüflabore, Länder und Normung. Diese haben sich zunächst auf einen gemeinsamen Wissensstand gebracht, um anschließend die nächsten Schritte zu diskutieren.

Mehr Forschung und Koordination gefragt
Aus den Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich, dass zur Gefährdung durch Einzelstöße noch viel Forschungsbedarf besteht, z.B. zu den physiologischen Wirkungen und zur Diagnostik der Folgen von Einzelstößen. Um weitere Forschungsvorhaben zu koordinieren und gezielt Informationen an Arbeitsmediziner, aber auch andere medizinische Fachrichtungen zu streuen, werden sich die beteiligten Forschungsinstitute untereinander und mit weiteren Vibrationsexperten Deutschlands stärker vernetzen.

Die Aufstellung von Richtwerten und die Bewertung von Messergebnissen sind aus Sicht der Fachleute relevante Themen für den Arbeitsschutz. Für die Bearbeitung dieser Themenfelder sind ebenfalls noch weitere Forschungsergebnisse notwendig. Die DGUV fördert hierfür aktuell ein Forschungsprojekt zu Einzelstößen auf das Hand-Arm-System durch Maschinen und Werkzeuge, das das IFA in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmedizin der Universität Lübeck und dem RISE Research Institute of Sweden durchführt und das Aufschluss über die gesundheitlichen Effekte von Einzelstößen geben soll.

Normungsantrag geplant
Parallel zur Forschung soll eine Messnorm zur Ermittlung der Exposition durch Einzelstöße erarbeitet werden. Zudem sollen die entsprechenden Begriffe genormt werden. Die Teilnehmenden äußerten den Wunsch, dass die KAN-Geschäftsstelle einen Antrag für eine nationale Norm stellt. Über diesen Punkt wird die KAN bei ihrer nächsten Sitzung im Frühjahr 2021 beraten.

Mit einem vergleichbaren Messverfahren und vorhandenen Richtwerten können sich wiederholende Einzelstöße in der Gefährdungsbeurteilung angemessen berücksichtigt und Präventionsmaßnahmen ermittelt werden. Auf lange Sicht sollen so die Anwender vor einer möglichen Gefährdung besser geschützt werden.

Dr. Anna Dammann
dammann@kan.de