KANBrief 2/17

Mensch und Roboter: Wie gelingt das Dreamteam?

© jens kuu, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Mit dem Einsatz autonomer Technologien rückt auch die Beziehung zwischen Mensch und Maschine immer mehr in den Fokus. Doch wie sollen die Kollegen aus Stahl aussehen und sich verhalten, damit die Zusammenarbeit mit ihnen für die Beschäftigten angenehm ist? Für den Erfolg von Mensch-Roboter-Kooperationen am Arbeitsplatz muss nicht nur die objektive, sondern auch die subjektiv erlebte Sicherheit der Mitarbeiter berücksichtigt werden.

Robotik und künstliche Intelligenz sind Themen voll Faszination und Innovationskraft, gleichzeitig aber auch mit Ängsten verbunden und aus dem Blickwinkel der Psychologie nicht ganz so einfach. Laut einer Studie der Europäischen Kommission1 sind Menschen vor allem dann skeptisch, wenn Roboter in sozialen Bereichen wie der Kinderbetreuung oder der Altenpflege eingesetzt werden sollen. Höhere Akzeptanzwerte gibt es dagegen für ihre Nutzung in Fertigung, Sicherheitswesen, Reinigung oder Medizin.

Bis 2019: Roboter-Verdopplung

Der Weltroboterverband IFR (International Federation of Robotics) hat in seinem Jahresbericht 20162 prognostiziert, dass bis zum Jahr 2019 weltweit 2,6 Millionen Roboter in der Industrie arbeiten werden: Im Vergleich zu heute wäre das fast eine Verdopplung. Als eine der wichtigsten Herausforderungen, ja sogar als marktentscheidendes Element definiert der Verband dabei die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Wer Roboter baut, die nicht nur effizient ihre Aufgaben erledigen, sondern die auch nutzerfreundlich, kommunikativ und sympathisch agieren, wird auf Dauer gewinnen.

Manche Robotiker sind der Meinung, dass eine harmonische Kooperation am leichtesten mit Maschinen gelänge, die mehr oder weniger wie Menschen aussehen und sich auch ähnlich verhalten. Schließlich sind die meisten Arbeitsumgebungen für den menschlichen Körper kreiert worden, so dass sich menschenähnliche Roboter sehr gut darin zurechtfinden würden. Ein zweites häufiges Argument lautet, dass die Kommunikation zwischen Mensch und Humanoid besonders intuitiv sei, da kein neuer Interaktionsmodus erlernt werden müsse. Man könnte mit dem Roboter einfach so sprechen, seine Mimik und Gestik so interpretieren, als wäre er ein Mensch.

Vorhersehbarkeit wichtig für Teamarbeit

Aus Sicht der psychologischen Forschung ist die Entwicklung allzu menschlicher Roboter allerdings riskant. Gerade hochgradig humanoide Maschinen rufen nämlich oft Ablehnung hervor: Wenn wir nicht mehr spontan einordnen können, ob unser Gegenüber Mensch oder Maschine ist, wenn wir nicht einschätzen können, was von der Kreatur zu erwarten ist, wie intelligent sie ist, ob sie die Regeln des Zwischenmenschlichen befolgen wird, entsteht häufig sogar ein Gefühl des Grusels.

Leichter tun wir uns mit Robotern, die klar als Maschine erkennbar bleiben. Das ist natürlich ein potenzieller Vorteil für den klassischen Industrieroboter, der mit Schwenkarmen und metallischen Oberflächen kaum Zweifel an seinem Maschinencharakter lässt. Trotzdem gibt es auch hier einiges zu beachten – und wieder geht es um Vorhersehbarkeit. Eine Prognose darüber ausbilden zu können, welches Ziel ein Kooperationspartner verfolgt und welche Aktion er im nächsten Schritt ausführen wird, ist essentiell für gute Teamarbeit.

Effizient ist, was angenehm ist

In einem Laborexperiment der Carnegie-Mellon-Universität wurde eine Café-Situation simuliert, in der ein Roboter gemeinsam mit Testpersonen Getränkebestellungen abarbeitet3. Der Roboter reichte seinen Partnern in unbekannter Reihenfolge verschiedene Trinkgefäße. Die Testpersonen mussten daraufhin die jeweils passende Ingredienz hinzufügen, einen Teebeutel etwa. Es stellte sich heraus: Die benötigte Arbeitszeit war nicht am kürzesten, wenn der Roboter in verlustfreier Fluglinie zur nächsten Tasse griff, sondern dann, wenn die Armbewegungen des Roboters kurvig angelegt waren und auf diese Weise gut vorhersehbar war, wohin der Roboter als nächstes greifen würde. Die für die menschliche Wahrnehmung optimierte Bewegungsart war aber nicht nur Effizienzsieger, sondern wurde von den Testpersonen auch als am weitaus angenehmsten bewertet.

Der Einfluss subjektiven Empfindens auf den Arbeitsablauf darf also nie unterschätzt werden. In der Mensch-Roboter-Kollaboration hängt das persönliche Wohlbefinden unter anderem von proaktiven Signalen durch den Roboter ab. Je besser er den Menschen in seiner Umgebung anzeigt, was er vorhat, desto mehr Vertrauen können diese schenken.

Dr. Martina Mara    martina.mara@aec.at

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