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KANBrief 1/15

Betreiberbeteiligung in der Normung unverzichtbar

Runder Tisch an dem verschiedene Teilnehmer diskutieren© J. Pulido

Arbeitnehmern dürfen nur Arbeitsmittel zur Benutzung bereitgestellt werden, wenn sie Schutz vor unzulässigen Gefährdungen gewährleisten. Für viele dieser Arbeitsmittel werden die Anforderungen für die CE-Konformität in harmonisierten Normen konkretisiert. Je stärker sich die Betreiber in der Normung engagieren, umso praxisnaher sind die Normen und umso effizienter können sichere Arbeitsmittel beschafft werden.

Im Bereich der Rechtsetzung zur Produktsicherheit und zur Benutzung von Arbeitsmitteln bei der Arbeit in der Europäischen Union wurden mit dem Neuen Konzept und dem Neuen Rechtsrahmen grundlegend einheitliche Anforderungen an Arbeitsmittel geschaffen. Diese wurden aber insgesamt abstrakt gehalten, um den Beteiligten mehr Gestaltungspielraum im wirtschaftlichen Handeln zu geben. Das heißt, dass das Sicherheitsniveau auf verschiedenen Wegen erreicht werden kann, je nachdem welcher am wirtschaftlichsten erscheint. Die Tatsache, dass das Sicherheitsniveau nicht immer eindeutig konkret definiert ist, stellt jedoch insbesondere kleinere Unternehmen bei der Beschaffung und bei der Gefährdungsbeurteilung der Technik vor große Herausforderungen.

Viele der Arbeitsmittel unterliegen ganz oder teilweise europäischen Richtlinien zur CE-Kennzeichnung. Für die Wirtschaft bietet es sich an, das Instrument der harmonisierten Normen zu nutzen, um den Aufwand bei der Beschaffungsspezifikation zu reduzieren und gleichzeitig einen guten Schutz der Arbeitnehmer vor Gefährdungen durch Arbeitsmittel zu gewährleisten. Dies zeigt sich auch daran, dass im nicht-harmonisierten Teil der Normen zunehmend auch Anforderungen an die Benutzung konkretisiert werden.

Ein gute Qualität und Berücksichtigung dieser Betreiberanforderungen in der Normung ist aber nur gewährleistet, wenn sich ausreichend viele Betreiber am Normungsprozess beteiligen. Die Erfahrungen bei RWE sprechen dafür, dass die Beteiligung in der Gremienarbeit nicht allein Verbänden oder Berufsgenossenschaften überlassen werden sollte. Diese sind wichtige interessierte Kreise in diesem Prozess, aber in der Regel nicht allein hinreichend, um die Betreiberkompetenz mit der spezifischen praktischen Erfahrung vertreten zu können. Daher ist RWE in einigen Normungsgremien mit Mitarbeitern vertreten, die über große praktische Erfahrung verfügen. Damit können sie helfen, Betreibererfahrungen bei der Konkretisierung der Anforderungen an die technischen Sicherheit und die spätere Betriebsführung einzubringen, soweit diese in den Normen geregelt werden. Beispiele sind Beschaffenheitsnormen für Dampferzeuger, Ausrüstungsteile, Fördertechnik und Normen in der Elektrotechnik.

Wer regelt was?

Dabei ist eindeutig zu beobachten, dass den nationalen Regelungen zum Arbeitsschutz zunehmend Bestimmungen im nicht-harmonisierten Teil der genannten Normen gegenübergestellt werden. Es ist zu erwarten, dass aus diesen Doppelregelungen auch Diskussionen darüber entstehen, an welcher Stelle diese Anforderungen geregelt werden sollten oder ob ihre Integration in die nationalen Regelungen (z.B. in Deutschland in den Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) sinnvoll wäre. Diesen Diskussionen werden sich alle Beteiligten stellen müssen.

Normen bringen Effizienz

Wer es bevorzugt, seine spezifischen Anforderungen zum technischen Arbeitsschutz allein in seinen Bestellspezifikationen festzulegen, muss in der Regel mit deutlich höheren Kosten bei der Beschaffung von sicheren Arbeitsmitteln rechnen. Günstiger fährt derjenige, der auf Normen zurückgreifen kann, in denen diese Anforderungen zumindest teilweise als Standard definiert sind. Zudem ist bei betreiberspezifischen Festlegungen mit höheren Aufwendungen für die Bau- und Montageüberwachung zu rechnen, weil Lieferanten, u.a. auf Grund der unzureichenden Erfahrung, vielfach einen höheren Aufwand bei spezifischen Anforderungen ansetzen.

Eine gute harmonisierte europäische Normung, die auch den betrieblichen Arbeitsschutz für die Arbeitsmittel berücksichtigt, bietet eine Chance für alle Betreiber, die erforderliche technische Sicherheit sehr effizient zu erreichen. Es wird in Zukunft angesichts des enormen Kostendrucks bei allen Betreibern eine große Herausforderung sein, eine ausreichende Mitarbeit bei dem steigenden Umfang der Normung von Dienstleistungen und Tätigkeiten sicherzustellen.

Bernhard Hoffmann
bernhard.hoffmann@rwe.com