Beleuchtung

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Die Beleuchtung von Arbeitsstätten betrifft häufig den Bereich des betrieblichen Arbeitsschutzes. Entsprechend dem europäischen Rechtsrahmen sind in diesem Bereich prinzipiell keine Normen vorgesehen. Dennoch werden und wurden Normen zur Beleuchtung von Arbeitsstätten erstellt. Aus Sicht der KAN muss im nationalen deutschen Vorwort klargestellt werden, dass über die Norm hinausgehende nationale Vorgaben für die Beleuchtung von Arbeitsstätten bestehen. Hinweise an dieser Stelle auf die Arbeitsstättenverordnung sowie auf einschlägige Vorschriften und Regeln des Staates und der Unfallversicherungsträger helfen dem Normanwender, die verpflichtenden Vorschriften einzuhalten.

Nicht-visuelle Wirkungen von Licht

Das Licht hat für den Menschen zwei Funktionen: Einerseits ermöglicht Licht das Sehen. Auf der anderen Seite hat es nicht-visuelle Wirkungen auf den Menschen. Nicht-visuelle Wirkungen des Lichts beeinflussen die Physiologie, die Stimmung und das Verhalten. So kann Licht z.B. zu kurzzeitiger erhöhter Wachsamkeit führen und darüber hinaus auch unsere "innere Uhr" und somit unsere Tagesrhythmik (circadianer Rhythmus) beeinflussen.

Diese nicht-visuellen Wirkungen erzielt Tageslicht, sie können aber auch durch spezielle künstliche Beleuchtung erreicht werden - wobei das Tageslicht den natürlichen Taktgeber unserer individuellen inneren Uhr darstellt. Künstliche Beleuchtung kann dem Tageslicht ähneln, es aber in seiner Gesamtheit nicht ersetzen.

Nicht-visuelle Wirkungen von Licht sind von vielen Faktoren abhängig:

  • Spektrale Zusammensetzung
  • Dauer
  • Intensität
  • Zeitpunkt der Lichtexposition
  • ...

Das richtige Licht zur richtigen Zeit kann unsere innere Uhr stabilisieren und so unseren Schlaf verbessern. So zeigte eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zum Beispiel, dass blau angereicherte Beleuchtung am Morgen nicht nur akut aktivierend wirkt, sondern darüber hinaus das Potenzial besitzt, nachfolgende Störungen der inneren Uhr zu kompensieren. Eine Störung der inneren Uhr kann z. B. das gleiche blau angereichte Licht kurz vor dem Schlafengehen bewirken: Es wirkt aktivierend und kann somit das Einschlafen erschweren. Das falsche Licht zur falschen Zeit kann Müdigkeit am Tag, Schlafstörungen und dadurch das Unfallrisiko verstärken.

Es sind neue Beleuchtungssysteme auf dem Markt, welche diese nicht-visuellen Wirkungen des Lichts berücksichtigen. Die geplante Auslösung der visuellen, emotionalen und nicht-visuellen Wirkungen von künstlichem Licht wird gegenwärtig insbesondere von der Beleuchtungsindustrie als Human Centric Lighting (HCL) bezeichnet (Definition ZVEI). Eine weitere häufig verwendete Bezeichnung ist die künstliche, biologisch wirksame Beleuchtung.

Ein Thema für den Arbeitsschutz?

Licht wirkt ständig und das auch an jedem Arbeitsplatz. Die nicht-visuellen Wirkungen von Licht bergen Chancen und Risiken. Bei nicht angemessenem Einsatz von Beleuchtungssystemen können die nicht-visuellen Wirkungen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Besonders energieeffiziente Leuchtmittel können durch ihren hohen Blauanteil eine ungeplante aktivierende Wirkung auf den Beschäftigten haben.

Schon bei der Planung von Beleuchtungsanlagen ist daher die Sicherheit und die Gesundheit bei der Arbeit zu berücksichtigen. Hierbei müssen die jeweiligen Chancen und Risiken verschiedener Beleuchtungsszenarien berücksichtigt werden.

Die KAN hat 2015 ein Positionspapier zum Thema künstliche, biologisch wirksame Beleuchtung in der Normung veröffentlicht. Da zwischenzeitlich weitere Erkenntnisse gewonnen und Abstimmungsgespräche zwischen den betroffenen Kreisen geführt wurden, wurde das Positionspapier 2017 aktualisiert. Es enthält Aussagen des Arbeitsschutzes zur Normung, Forschung, Regelsetzung und zur Anwendung der neuen Technologie. Ergänzt wurden unter anderem folgende Punkte:

  • In Normen mit Produktanforderungen an die Komponenten der Beleuchtungsanlage sollen Hersteller im Abschnitt Benutzerinformation aufgefordert werden, Angaben zur bestimmungsgemäßen Verwendung und zu Risiken der Beleuchtungsanlage zu machen.
  • Hinreichend gesicherte Erkenntnisse im Bereich der biologischen Wirkung von künstlichem Licht sollen ermittelt werden und in Informationspapiere des Arbeitsschutzes einfließen.
  • Die arbeitsschutzrelevante Forschung soll weiter vorangetrieben werden.
  • Der Dialog aller beteiligten Kreise, der 2016 mit einem Workshop und der Arnsberger Roadmap begonnen wurde, soll fortgeführt werden.

Weitere Informationen

KANBrief 1/17 "Künstliche, biologisch wirksame Beleuchtung - Arnsberger Roadmap setzt Meilensteine"

KANBrief 1/17 "Human Centric Lighting - Beleuchtung heute, morgen, übermorgen"

KAN Positionspapier zum Thema künstliche, biologisch wirksame Beleuchtung und Normung

KANBrief 3/15 "Künstliche, biologisch wirksame Beleuchtung: erst forschen, dann normen"

KANBrief 1/14 "Wo viel (blaues) Licht ist, ist auch starker Schatten"

Infomaterialien der BAuA

BAuA Studie "Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt - Beleuchtung"

BAuA Studie "Circadiane Wirksamkeit AmI-basierter Beleuchtungssysteme: Wirkungsfragen circadianer Desynchronisation"

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