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KANBrief 1/26 – Normungspolitik in der EU

Editorial

Tempo ja – aber nicht um jeden Preis

Die Europäische Union will wettbewerbsfähiger werden – und die Normung soll mitziehen. Neue Formate wie die European Agile Specification versprechen mehr Tempo und Flexibilität. So nachvollziehbar die Bestrebungen nach Beschleunigung auch sind, dürfen wir jedoch nicht vergessen, worauf die Stärke der europäischen Normung beruht: Ohne breite Beteiligung, ohne öffentliche Umfrage und ohne den Konsens aller relevanten Kreise verliert Normung ihre Legitimation, und damit auch ihre Wirkung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Der Normungsprozess wird nicht ganz zu Unrecht als bürokratisch und langsam empfunden. Aber gerade die Grundprinzipien des Prozesses wie die umfassende Beteiligung aller Betroffenen bewirken eine breite Akzeptanz der Ergebnisse und bieten Rechtssicherheit.

Gerade in sicherheitsrelevanten Bereichen brauchen wir keine kurzfristigen Kompromisse, sondern solide, praxistaugliche Grundlagen. Der politische Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit darf nicht dazu führen, dass bewährte Prinzipien aufgeweicht werden. Schnellere Verfahren sind notwendig, aber nicht um diesen Preis.

Wenn Europa zukunftsfähig bleiben will, müssen Innovation in der Normung und Verlässlichkeit zusammengedacht werden. Das bedeutet: Reformen gestalten, ohne das Fundament zu beschädigen. Nur auf dieser Grundlage kann die Normung auch weiter einen guten Beitrag dazu leisten, dass Sicherheit am Arbeitsplatz auch morgen gewährleistet bleibt.

Peer-Oliver Villwock

Vorsitzender der KAN

Bundesministerium für Arbeit und Soziales