"Arbeiten in einer digitalen Welt" bei der 4. Internationalen Strategiekonferenz in Dresden vom 21.-24.3.2016

Bei der 4. Internationalen Strategiekonferenz in Dresden organisierte die KAN das Thema 5 „Work in a digital world“. Alle Themen der Konferenz wurden jeweils aus den vier Perspektiven „Vision“, „Mission“, „Operative Goals“ und „Tools“ beleuchtet. Ein Thema wurde zunächst mit allen im Plenum erarbeitet, vier Themen fanden parallel statt. Die Ergebnisse aus allen Themen wurden im Anschluss an die einzelnen Perspektiven im Plenum vorgestellt.

Die ca. 50 Teilnehmenden in Thema 5 beantworteten zunächst per TED-Abfrage, welchen Einfluss die Digitalisierung aus ihrer Sicht in den nächsten fünf Jahren auf den Arbeitsschutz hat. Er wurde bereits zu Beginn der Veranstaltung als hoch bis sehr hoch eingeschätzt.

Den Einführungsbeitrag im Thema 5 in der Perspektive „Vision“ hielt Frau Professor Sabina Jeschke von der RWTH Aachen. Sie ließ die Teilnehmenden an ihrer Vision der digitalen Zukunft teilhaben: „Alles und jede/r ist vernetzt, die Digitalisierung kommt schneller, als selbst Experten es erwartet haben“. Maschinen machten nicht länger nur das, was man ihnen einprogrammiert hat, sie fingen an in vergleichbarer Weise wie Menschen zu lernen. Ausgehend von einem Null-Gehirn lernten sie über Versuch und Irrtum und erreichten damit Ergebnisse, die weit über das hinausgingen, was Menschen leisten könnten. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf starteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Diskussion. In kleinen Gruppen zu je drei Personen wurde die Frage diskutiert, wie sich Arbeiten durch Digitalisierung verändert. Dazu wurde das Tool nextmoderator® genutzt: Alle Laptops im Raum waren miteinander verbunden und das Programm ermöglichte, dass jede/r sofort sämtliche Beiträge sehen, kommentieren und bewerten konnte. Ergebnis dieser ersten Arbeitsphase war, dass Änderungen, die Art, Zeit und Ort der Arbeit betreffen, als größte Einflussfaktoren beim Wandel der Arbeit angesehen wurden. Außerdem brauchten Menschen andere Fähigkeiten, um diesen Wandel gut begleiten zu können, insbesondere in Bezug auf die immer mehr gefragte Flexibilität in der Arbeitswelt.

Um herauszufinden, welche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, damit Arbeiten in einer digitalen Welt menschengerecht bleibt, gaben in der Perspektive „Mission“ zunächst verschiedene interessierte Kreise Impulse. Aïda Ponce vom Institut des europäischen Gewerkschaftsbundes ETUI betonte, dass es vor allem wichtig sei, für die neuen flexiblen Formen von Arbeit regulatorische Leitplanken zu schaffen, um nicht in einem rechtlichen Niemandsland zu enden. Dabei müssten besonders die Verantwortlichkeiten der einzelnen Personen geklärt werden. Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales war in einem eingespielten Video-Statement trotz der vielen Herausforderungen, denen sich der Arbeitsschutz stellen müsse optimistisch, dass am Ende eine gute Lösung für alles gefunden werde. Ein weiter Aspekt für menschengerechte Arbeit, den die Teilnehmenden als Voraussetzung der digitalen Arbeit sahen, ist hohe Sicherheitsstandards für den Datenschutz zu schaffen.

In der Perspektive „Operative Goals“ berichtete Michael Beilfuß, der Moderator des Thema 5, über die Erfahrungen mit Digitalisierung in seinem Unternehmen, der IDG Media Group. Der Fokus der Arbeit in einem Medienunternehmen habe sich durch die Digitalisierung deutlich verändert. Früher habe der Fokus auf dem Beschaffen weiterer Nachrichten gelegen und nun sei es wichtiger den riesigen Nachrichtenstrom zu filtern und für Leserinnen und Leser aufzubereiten. Besonderes Augenmerk legte er auf den Aspekt der Führung: „Führungskräfte müssen mutige Entscheidungen treffen, anstatt bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle für zu lange Zeit beizubehalten.“ Digitalisierung bedeute, dass gewisse Geschäftsmodelle einfach nicht länger existieren und Unternehmen komplett neue Dinge tun. Es gelte hier, den Anschluss nicht zu verpassen. Die Teilnehmenden unterstützen hier besonders, dass Führung ein Schlüsselfaktor für die Umsetzung der Digitalisierung in Unternehmen und Institutionen ist. Weiterer Aspekt sei, so Michael Beilfuß, dass die journalistische Arbeit nun vielfach von Freelancern übernommen werde. Die Zahl der festangestellten Journalisten habe sich in den letzten zehn Jahren halbiert. Eine Herausforderung sei es, Freelancer in den Arbeitsschutz des Unternehmens einzubeziehen. Dieser Herausforderung müsse nach den Teilnehmenden unbedingt gemeistert werden.

In der letzten Perspektive wurden verschiedene Tools vorgestellt: Henk Vanhoutte zeigte eine smarte Feuerwehrjacke, die mit Sensoren ausgestattet verschiedene Körperfunktionen überwacht und diese über eine Drahtlosverbindung an externe Personen übermittelt, die dann im Notfall eingreifen können. Britta Kirchhoff präsentierte zunächst eine smarte Brille, die einer Person Anleitung geben kann, wie bestimmte Arbeitsschritte ausgeführt werden. Zusätzlich können auch Arbeitsschutzhinweise eingeblendet werden, z.B. ein Hinweis darauf, persönliche Schutzausrüstung zu tragen. Dann hatte Nao, ein humanoider Roboter seinen Auftritt. Mit ihm untersucht die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die Auswirkungen von Robotern auf das menschliche Verhalten und damit verbundene ethische, soziale und rechtliche Fragen. Michael Teigeler von der DKE stellte das Projekt Normung 2020 vor und gab eine Zukunftsaussicht auf smarte Produkte. Eine smarte Bohrmaschine werde bestimmte Sicherheitsaspekte z.B. aus Normen bereist implementiert haben und so Unfälle vermeiden können. Die Bohrmaschine wüsste u.a., an welcher Stelle Leitungen hinter dem Putz verborgen seien und würde dort kein Loch bohren. Den Wunsch nach smarten Produkten, die relevante Informationen in Echtzeit und direkt in der passenden Situation liefern äußerten die Teilnehmenden in der anschließenden Brainstormingphase.

Alle Ergebnisse aus den einzelnen Themen wurden im Plenum allen Konferenzteilnehmenden vorgestellt. Eine eindrucksvolle Zusammenfassung jedes Themas lieferte ein Graphic Recording. Insgesamt zeigte sich, dass die Arbeitsschutzwelt sich bereits viel mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzt und sich der Aufgaben bewusst ist, die gelöst werden müssen.

Wir finden: Eine gelungene Veranstaltung! Vielen Dank an alle, die sich beim Thema 5 eingebracht haben.

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