KANBrief 4/16

Safety.Future.Standardization – Gedanken zur Normung der Zukunft

Ankündigung einer Veranstaltung von KAN und BG ETEM auf dem IEC General Meeting© KAN-privat

Die Digitalisierung und andere Entwicklungen machen auch vor der Normung nicht halt. Muss die Normung nun neu erfunden werden? Der immer schneller werdende Wandel zwingt die Beteiligten zum Handeln. Der Arbeitsschutz darf dabei nicht vergessen werden. Experten beleuchteten auf der IEC-Generalversammlung1 2016 unter dem Titel „Safety.Future.Standardization“ die neuen Entwicklungen aus verschiedenen Blickwinkeln2.

„Daten sind das neue Öl“, sagte Michael Beilfuß von IDG Media und umriss damit das digitale Arbeiten in der nahen Zukunft. Alle Dinge seien miteinander verbunden und die einzige verbleibende Frage sei: Funktioniert die Verbindung? Diese Aspekte wirken sich auch auf die Normung und den Normungsprozess aus. Man kann nun mehr Leute erreichen und an der Normung beteiligen als ohne digitale Hilfsmittel. Das bietet Chancen für den Arbeitsschutz. Es ergeben sich allerdings auch Risiken aus der Digitalisierung und der steigenden Geschwindigkeit der Veränderungen, z.B. dass sich die Menschen in Informationen verlieren. Sein Fazit dennoch: „Wir müssen uns eine positive Haltung gegenüber der Veränderung bewahren.“

Roboter und Menschen: Normung muss Psychologie nutzen
Mögen Menschen Roboter? Wollen sie gerne mit Robotern zusammenarbeiten? „Das ist unterschiedlich“, sagt Dr. Martina Mara, Roboterpsychologin am Ars Electronica Future Lab in Linz, Österreich. „Wir lieben und wir hassen Roboter.“ Einerseits wollten Menschen Roboter gerne einsetzen, aber am besten im Weltraum, also möglichst weit weg.

Besonders gegenüber sozialen Robotern, die menschenähnlich aussehen und durch Sprache, Mimik oder Gestik mit Menschen interagieren und kommunizieren, herrsche große Skepsis. Die Menschen wüssten nicht, was sie von der Maschine erwarten können. Diese Unberechenbarkeit mache Angst, vor allem vor Kontrollverlust. Aus psychologischer Sicht sei es daher sehr wichtig, dass ein Roboter als solcher erkannt wird.

Der Schlüssel zu einer hohen Akzeptanz ist laut Dr. Mara Vertrauen, das Menschen den Maschinen dann entgegenbringen, wenn diese vorhersehbare Dinge tun. Diese Aspekte müssten in der Normung von Robotiksystemen berücksichtigt werden, vor allem wenn Menschen direkt mit Robotern zusammenarbeiten sollen. Wichtig sei eine interdisziplinäre Zusammenarbeit etwa zwischen Technik und Psychologie.

Systemsicherheit: „Werft alle eure Computer weg“
„Wir befinden uns in einem kompletten Sicherheits-Albtraum“ sagt Dr. Sandro Gaycken. Was er damit meint? Jedes System, das einen Computer und Software beinhaltet, ist angreifbar. Manche Systeme sind schwerer zu hacken als andere, aber hacken kann man sie alle. Hacking kann Firmen in den Ruin treiben: So könnte das Öl auf einem Schiff bereits dreimal verkauft worden sein, bevor das Schiff in den Hafen einläuft. Besonderes Augenmerk sollte die Normung auf den Zusammenhang von Systemsicherheit und Arbeitssicherheit legen. Was wäre beispielsweise, wenn kollaborierende Roboter gehackt werden? Daher sein Appell an die Normung: Kümmert euch um Systemsicherheit!

Normung für alle
Kirsten Bruhn, dreifache Goldmedaillengewinnerin im Schwimmen bei den Paralympischen Spielen, berichtet über Barrieren im alltäglichen Leben, die trotz technischer Möglichkeiten oft noch bestehen: So werden technische Hilfsmittel nicht eingeschaltet oder durch Barrieren manchmal im wahrsten Sinne des Wortes versperrt. „Der gute Wille ist da, aber es scheitert oft an Banalitäten, z.B. wenn behindertengerechte WCs vorhanden sind, aber nur über eine Treppe erreichbar sind.“

Sie appelliert an die Normung, die verschiedenen Fähigkeiten von Menschen in Normen zu berücksichtigen. Wünschenswert wäre eine Kultur der Inklusion (Fürsorge-Kultur), so dass Menschen mit Einschränkungen in den Normungsprozess eingebunden und die Produkte so weit wie möglich barrierefrei gestaltet werden.

Schöne neue Welt – aber im Konsens
Es steht außer Frage, dass sich die Normung verändern muss, um den neuen technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht zu werden. Für den Arbeitsschutz ist dabei entscheidend, dass das Thema Sicherheit weiterhin im Konsens behandelt wird. Tragfähige Lösungen können nur unter Beteiligung aller betroffenen Kreise entstehen.

Katharina von Rymon Lipinski
vonrymonlipinski@kan.de

1 International Electrotechnical Commission; http://www.iec2016.org/
2
Gemeinschaftsveranstaltung von KAN und BG ETEM; Mitschnitt unter www.youtube.com/watch?v=A3JuBHPxFzI

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