KAN-Bericht 14



typo3conf/ext/kekandocs/icon_pdf.gifInformationssysteme zu Arbeitsschutz und Normung, 09/1997, H. Zieschang/D. Ackers (2 MB)

 

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Zusammenfassung


1. Wichtig für die Arbeit der KAN ist es, umfassende Informationen über alle im Zusammenhang mit dem Thema Arbeitsschutz stehenden Normen, Norm-Entwürfe, Normungsvorhaben, Mandate, Richtlinien und Verordnungen zu bekommen, und zwar auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. So umfangreiche Informationsmengen, wie sie im Themenumfeld von Normen anfallen, werden in der Regel durch gedruckte Schriftensammlungen oder Datenbanken abgedeckt.

2. Die Studie nennt ausgehend von konkreten, bei der Arbeit der KAN anfallenden Aufgabenstellungen eine Auswahl der verfügbaren Informationsquellen und stellt deren Vor- und Nachteile dar, sofern Erfahrungen mit ihnen vorliegen. Neben den bestehenden Normen-Datenbanken werden auch solche mit ergänzenden Informationen aus dem Normenumfeld berücksichtigt.

3. Grundsätzlich stellt das Angebotsspektrum des DIN die erforderlichen Auskünfte zu Norm-Entwürfen und Normen bereit. Die über Online-Zugriff nutzbare DITR-Datenbank sowie die CD-ROM-Versionen von PERINORM machen Informationen zu Normen der meisten europäischen Staaten zugänglich. Weitere CD-ROM-Datenbanken zu speziellen Themenbereichen, gedruckte Dienste (wie DIN-Mitteilungen, DIN-Anzeiger) sowie der DIN-Beratungsdienst (als European Information Centre) ergänzen das Angebot.

4. Vor dem Hintergrund der KAN-Aufgabenstellung kommt den beiden vom DIN entwickelten und monatlich aktualisierten Datenbanken DITR und PERINORM die größte Bedeutung zu. Beide werden in der Studie deshalb ausführlich vorgestellt und verglichen. Die wichtigsten Unterschiede für den Anwender sind:

  • PERINORM enthält wesentlich mehr Dokumente, da es mehr nationale Normenbereiche abdeckt als DITR. Ebenso gilt PERINORM in europäischen und internationalen Normenbereichen zur Zeit als die vollständigste Datensammlung.
  • PERINORM ist bedienerfreundlicher als die DITR-Datenbank. Erstere ist über ein Menü leichter zu steuern als die Online-Datenbank, für deren Einsatz man bisher eine eigene Anwender-Programmiersprache beherrschen mußte. Der Zugang zur DITR-Datenbank wird neuerdings auch über T-Online (über den Host FIZ-Technik) angeboten und dadurch sehr erleichtert.
  • PERINORM gibt die Titel und - nicht in allen Fällen - eine Kurzzusammenfassung der aufgenommenen Dokumente an.


5. Werden Volltexte von Normen benötigt, können diese in gedruckter oder elektronischer Form vom Beuth-Verlag bezogen werden. Der Verlag bietet auch themenspezifische Zusammenstellungen auf CD-ROM an. Für die Arbeitsschutzvertreter auf Länderebene besteht das Angebot, unter Voraussetzung ihrer Mitarbeit eine Normenauswahl speziell für den Bereich des Arbeitsschutzes zu erstellen.

6. Die Arbeiten an den KAN-Studien "Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz" und "Ergonomie" haben gezeigt, daß PERINORM nicht arbeitsschutzspezifisch strukturiert ist. Die Suche nach Normen zu diesem Themenkreis gestaltet sich mühsam und zeitaufwendig. Die genannten KAN-Studien geben jedoch Hilfestellungen zur Nutzung von PERINORM in diesen Themenfeldern.

7. Informationen zu EG-Richtlinien liefert die Loseblattsammlung bzw. CD-ROM-Datenbank "EG-Recht" von Fritze. Die nationalen deutschen Unfallverhütungsvorschriften sind auf der CD-ROM "Die UVVen" des HVBG zusammengestellt. Nationale gesetzliche Regelungen im Bereich des betrieblichen Arbeitsschutzes sind in "Arbeitssicherheit" von Krause/Zander, in "Arbeitsstätten" von Opfermann/Streit oder auf der CD-ROM "Technisches Recht" des Beuth-Verlags zu finden.

8. Allen Informationsquellen ist gemeinsam, daß sie keine Hinweise oder Inhalte zu in Planung stehenden Regelungen enthalten. Insbesondere sind noch unveröffentlichte erste Arbeitspapiere oder Mandate nicht recherchierbar. Einen Teil der Angaben hierzu erhält die KAN-Geschäftsstelle über Kontakte zu Experten in den einzelnen Normungsgremien. Um solche Kontakte aufbauen zu können, ist sie allerdings darauf angewiesen, an Informationen über die Gremienzugehörigkeit zu kommen. Seitens des DIN wird die Mitwirkung von KAN-Mitarbeitern in den Gremien empfohlen.

9. In Datenbanken der Hosts ECHO und EUROBASES, beides Organisationen der EU-Kommission, können Informationen zum Normenumfeld abgefragt werden. Auskünfte gibt es zu Fragen aus Wirtschaft, Handel und zum EU-Recht. Oft sind die Angaben in mehreren europäischen Sprachen erhältlich. EUROBASES-Datenbanken sind kostenpflichtig, während die von ECHO kostenfrei genutzt werden können.

10. Über die kommerziellen Hosts FIZ-Technik und STN-International stehen ergänzende Informationen aus Literatur-Datenbanken, Sammlungen aktueller Studien, aus medizinischen Fachgebieten oder zur Sicherheitstechnik zur Verfügung.

11. Bezüglich des finanziellen Aufwands muß im Einzelfall abgewogen werden, ob die Ansammlung laufender Gebühren für die Online-Nutzung von Datenbanken oder eine jährlich zu entrichtende Gebühr für CD-ROM-Datenbanken günstiger sind. Bei seltenen Recherchen bleibt der Online-Zugriff günstiger, während bei häufigen Datennutzungen nicht nur die Kosten sinken, sondern auch die ständige Verfügbarkeit einer CD-ROM Vorteile mit sich bringt. Online-Systeme wiederum können vom Betreiber leichter aktuell gehalten werden.

Inzwischen ist PERINORM das in der KAN-Geschäftsstelle am häufigsten verwendete Rechercheinstrument. Durch die intensive Nutzung haben sich die jährlichen Kosten für die CD-ROM-Version durchaus gelohnt. Auf die DITR-Datenbank wird nur in seltenen Fällen zurückgegriffen.

12. Durch einen ISDN-Anschluß wird der direkte Zugriff auf weitere Online-Datenbanken möglich. Gerade die Überlegungen des DIN zum Online-Zugriff auf eine Datenbank mit Normvolltexten, die in elektronischer Form bezogen und am PC weiter bearbeitet werden können, ist für die Arbeit der KAN attraktiv. Darüber hinaus ermöglicht der ISDN-Anschluß die Anbindung ans Internet und einen schnellen Informationsaustausch über E-Mail.

13. Es gibt wenig Zusammenstellungen darüber, welche Nutzergruppen überhaupt Information zum Themenkomplex "Arbeitsschutz und Normung" suchen und welche Informationsquellen von ihnen befragt werden. Hierzu liefert eine Studie des Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen Analysen und Ergebnisse, die sich auch an jene Kreise von Arbeitsschützern wenden, die in die Arbeit der KAN eingebunden sind. Ein geplantes Projekt an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus zeigt Bedarf an Recherchearbeit speziell unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der kleinen und mittleren Betriebe an.


Empfehlungen der KAN

Gesamteinschätzung

Die vorliegende Arbeit gibt einen umfassenden Überblick über die derzeit zum Thema Arbeitsschutz und Normung existierenden Informationsquellen und zeigt auf, daß diese in kombinierter Nutzung eine erste Übersicht über den gewünschten Themenbereich bieten können. Es wird jedoch auch deutlich, daß - will man genauere Informationen erhalten und mit diesen in Texten weiterarbeiten - die entsprechenden Hilfsmittel für den Zugang zu themenspezifischer Information fehlen.

Die große Menge an Information bleibt nur überschaubar und sinnvoll nutzbar, wenn gut aufeinander abgestimmte und laufend aktualisierte Informationssysteme vorhanden sind. Über CD-ROM-Versionen können dem Anwender bereits große Datenmengen zur Verfügung gestellt werden. Die Aktualisierung der Daten ist zwar bei einem einheitlichen zentralen Datenpool leichter und schneller zu bewerkstelligen; von daher erscheint es sinnvoll, Systeme mit Online-Zugriff stärker zu unterstützen. Jedoch bleibt in jedem Fall abzuwägen, ob die konkrete Nutzung eher sich summierende laufende Kosten oder regelmäßige jährliche Gebühren rechtfertigt.

Die vorliegende Untersuchung ist aus der Sicht des Informationsbedarfs der KAN entsprechend ihrer Arbeitsweise und Aufgabenstellung durchgeführt worden. Trotz dieses speziellen Zuschnitts befürwortet es die KAN, die vorliegende Arbeit zu veröffentlichen und dadurch auch anderen am Thema interessierten Arbeitsschützern zugänglich zu machen.


Handlungsbedarf für das DIN

1. Bei Aktualisierungen der Datenbank PERINORM seitens des DIN sollten die Erfahrungen aus der Arbeit der KAN-Geschäftsstelle berücksichtigt werden. Es sollte darauf geachtet werden, daß Suchstrategien schneller und leichter entwickelt werden können. Zum Teil sollten weitere Ergänzungen im Handbuch bzw. in den Hilfe-Feldern einen wesentlichen Beitrag leisten.

Insbesondere sind folgende konkrete Punkte anzumerken:

  • Für alle internationalen Dokumente sollten in einheitlicher Form die Titel und Kurzreferate in drei Sprachen aufgenommen werden, in Deutsch, Englisch und Französisch.
  • Für alle Dokumente sollten Kurzreferate vorhanden sein, da dem Titel und den Schlagwörtern allein oft nicht der Inhalt eines Dokuments zu entnehmen ist. Werden diese Zusammenfassungen dem DIN nicht von dem für das Dokument zuständigen Autorengremium zur Verfügung gestellt, wird das DIN gebeten, selbst die fehlenden Kurzreferate zu ergänzen, wenigstens aber, z.B. bei Normen, den Anwendungsbereich anzugeben.
  • Das Feld "Einspruchsfrist" sollte für die Suchfunktion zugänglich sein, damit die Dokumente gefunden werden können, auf deren Inhalte noch von der KAN durch Stellungnahmen Einfluß genommen werden kann. Bisher ist eine Suche in dieser Information nur über den Export von PERINORM-Dateien in andere Software mit Suchfunktionen möglich.
  • Die verschiedensprachigen Schlagwort-Auflistungen eines Dokuments sollten einander im Inhalt angeglichen werden.


2. Bereits die Ergebnisse der KAN-Berichte 2 und 7 haben gezeigt, daß für die Arbeit über Normen und Norm-Entwürfe zum Arbeitsschutz ein spezifisches Rechercheinstrument fehlt. Allein anhand der in PERINORM vergebenen Schlagwörter ist oft nicht zu entscheiden, ob ein Dokument Arbeitsschutzrelevanz besitzt. Das DIN wird gebeten, die Schlagwortlisten einzelner Dokumente in PERINORM zu erweitern. In der KAN-Geschäftsstelle soll ein Kriterienkatalog erarbeitet werden, anhand dessen diese Erweiterung vorgenommen werden könnte (siehe Punkt 7).

3. Die KAN bittet das DIN darum, Zugang zum Projektteil des "DIN-Büros" zu erhalten, in dem die Norm-Vorhaben der einzelnen Normenausschüsse gesammelt sind. Dieser Zugang soll einen Einblick in die Inhalte der Vorhaben einschließen und im Einzelfall die Möglichkeit eröffnen, das vom Arbeitsgremium freigegebene Manuskript vor der prEN-Umfrage einzusehen. DIN wird weiterhin gebeten, schon vor Aufnahme der Normungsarbeit den Normungsantrag der KAN auf Anfrage zugänglich zu machen.

4. Die KAN-Geschäftsstelle benötigt Informationen zum Aufbau ihrer geplanten Gremiendatenbank (siehe Punkt 8). Viele dieser Informationen liegen in gedruckter oder elektronischer Form beim DIN vor. Die KAN bittet das DIN, unter Einhaltung der Auflagen des Datenschutzes der KAN-Geschäftsstelle möglichst umfangreiche Informationen über die Mitarbeiter der Institutionen des Arbeitsschutzes in der Normung zugänglich zu machen. Für den Bereich der Elektrotechnik hat die DKE der KAN-Geschäftsstelle bereits eine Zusammenstellung der Mitglieder der nationalen Spiegelgremien zur Verfügung gestellt.

5. Wenn die Sicherheitsfragen für kostenpflichtige Datenabfragen im Internet geklärt sein werden, plant das DIN, auch den Zugang zu SGML-strukturierten Norm-Volltexten im Internet zu ermöglichen. Oft kann man den bibliographischen Daten - so wie sie in PERINORM abgelegt sind - nicht genug Angaben zum Inhalt des Dokuments entnehmen. Volltexte sind aber gleich sehr kostenintensiv, gerade dann, wenn man anhand eines solchen Textes feststellt, daß er für die eigene Arbeit doch nicht relevant ist. Die KAN bittet das DIN, bei den Planungen für die Internet-Abfrage Zwischenstufen im Informationsumfang zu berücksichtigen, z.B. die Abfrage nur des Inhaltsverzeichnisses einer Norm zuzulassen, was dann für den Nutzer nicht so teuer ist wie eine Volltextabfrage. Gerade bei SGML-strukturierten Dateien sollte der Einbau solcher Teilabfragen kein Problem darstellen.


Handlungsbedarf für die Ländervertreter

6. Die Ländervertreter werden gebeten, den Vorschlag des DIN aufzunehmen und einen Kriterienkatalog zu erstellen, anhand dessen eine Sammlung von Normen zum Arbeitsschutz in ihren Volltexten zusammengestellt und auf CD-ROM zugänglich gemacht werden kann.


Handlungsbedarf für die KAN-Geschäftsstelle

7. Die KAN-Geschäftsstelle wird beauftragt, anhand der Resultate aus den KAN-Berichten 2 und 7 einen Kriterienkatalog für eindeutige, arbeitsschutzbezogene Schlagwörter zu erstellen. Diese sollten so ausgewählt sein, daß sie als Ergänzung in PERINORM eine Hilfe bei der Suche nach arbeitsschutzbezogenen Dokumenten darstellen würden (siehe Punkt 2).

8. Um zu einzelnen Problemstellungen gezielt Informationen von Experten in den verschiedensten Normungsgremien einholen zu können, wird die KAN-Geschäftsstelle mit dem Aufbau einer neuen Datenbank beauftragt. Diese soll die Verknüpfungen der verschiedenen Arbeitsgruppen und Normungsgremien auf den unterschiedlichen Beratungsebenen widerspiegeln.

9. In kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) besteht Informationsbedarf zu Arbeitsschutz-Normen und deren Anwendung in der betrieblichen Praxis. Erste Ansätze, wie dieser Themenbereich in einer Studie aufgenommen und bearbeitet werden könnte, sind bereits in einer Projektidee der TU Cottbus näher beschrieben worden. Die KAN beauftragt ihre Geschäftsstelle, den Bedarf für eine KAN-Studie zum beschriebenen Thema zu untersuchen und eine entsprechende Projektbeschreibung zu erarbeiten.

10. Die KAN-Geschäftsstelle wird beauftragt, mit UMSICHT Kontakt bezüglich seines Projektes zur Entwicklung eines Informationssystems über rechtliche und sicherheitstechnische Regelungen aufzunehmen. Die Geschäftsstelle soll ermitteln, in welchen Bereichen dieses Projektes ein gegenseitiger Informationsaustausch für beide Seiten von Nutzen wäre.


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